Von Bewerbern wird erwartet, dass sie einen Standpunkt – im Bewerbungsgespräch naturgemäß meist in eigener Sache – sicher und psychologisch wirkungsvoll vertreten können. Nun wird man nicht über Nacht zum begnadeten Redner oder gar Selbstdarsteller, aber man kann sich einige Regeln gute Gesprächsführung vergegenwärtigen. Zum Beispiel den ältesten Grundsatz der Rhetorik: Es ist im Grunde egal, was man sagt, entscheidend ist, wie es ankommt. Und die Art und Weise, wie das Gesagte ankommt, hängt nicht nur vom Inhalt, sondern ganz erheblich von den rhetorischen Gestaltungsmitteln ab.
So bauen Sie unfallfreie Sätze:
- Reagieren Sie auf eine Frage oder Aufforderung zum Sprechen nicht sofort. Zu einem gekonnten Dialog gehört es, einen Augenblick der Stille aushalten zu können. Niemand nimmt es Ihnen übel, wenn Sie einen Moment nachdenken, ehe Sie loslegen.
- Versuchen Sie nicht, sich als begnadeter Formulierungskünstler zu profilieren. Dieser falsche Ehrgeiz wird nicht unbedingt belohnt. Über den früheren französischen Außenminister Dominique de Villepin spottete man, dass dieser unfähig sei, einmal einen nicht stilvollendeten Satz zu formulieren.
- Heinrich von Kleist beginnt seine berühmte „Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege“ mit einem Satz, der 15 Kommata und ein Semikolon enthält. Dieser Satz ist wunderbar gelungen, aber stilistisch nicht als Vorbild zu nehmen. Wenn Sie kein Sprachakrobat sind, verzichten Sie lieber auf Schachtelsätze und Einfügungen. Fangen Sie besser neue Sätze an, auch wenn das vielleicht etwas schlicht wirkt.
- Zwingen Sie sich zu Kunstpausen. Sie gönnen Ihren Zuhörern damit eine kurze Erholung und können sich sammeln. Die Pausen müssen natürlich an den richtigen Stellen gesetzt werden, sie dürfen keinen zusammenhängenden Gedankengang auseinanderreißen.
- Sie haben den Faden verloren? Am ehesten finden Sie ihn wieder, indem Sie sich zu diesem kleinen Missgeschick bekennen. Das nimmt nämlich den psychischen Druck.
- Natürlich dürfen Sie sich auch mal versprechen. Perfektion zieht dem Leben das Mark aus den Knochen.
Dieser Text stammt aus: Claus Peter Müller-Thurau: Testbuch Vorstellungsgespräche. Haufe Verlag 2009, 152 Seiten mit CD-ROM, € 16,80 [D]
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